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Das Frauenorchester in Auschwitz Musikalische Zwangsarbeit und ihre Bewltigung

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Musik im ‚Dritten Reich‘ und im Exil Band 6

Meister, Hans-Werner, ed

Petersen, Peter, ed

Musik wirkt in einem durch Personen geprägten, gesellschaftlich bedingten und

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Details für „Das Frauenorchester in Auschwitz Musikalische Zwangsarbeit und ihre Bewältigung“

Musik im ‚Dritten Reich‘ und im Exil Band 6

Meister, Hans-Werner, ed

Petersen, Peter, ed

Musik wirkt in einem durch Personen geprägten, gesellschaftlich bedingten und

situativ umgrenzten Handlungsraum. Trifft dies auch auf Extrembedingungen zu,

wie sie in deutschen Konzentrationslagern herrschten? Welche Bedeutung hatte

hier Musik? Bislang wurden vorwiegend die überlebenswichtigen Aspekte

musikalischer Aktivitäten für die KZ-Häftlinge erforscht, das heimliche oder

freiwillige Musizieren. Weniger aufgearbeitet wurde das Musizieren auf Befehl

der SS und seine Bedeutung im KZ.

Gabriele Knapp beschreibt am Beispiel des Frauenorchesters in Auschwitz, was

musikalische Zwangsarbeit war, und wie die SS von ihr profitierte. Durch

detaillierte Analysen musikalischer Einsatzsituationen, beispielsweise dem

Einsatz von Marschmusik am Lagertor, zeigt sie eindrücklich auf, wie Musik

und die Musizierenden in den Vernichtungsapparat der SS verwoben wurden.

Das Orchester war integraler Bestandteil des Alltags der SS und zwangsläufig

der Gefangenen. Die Autorin betont, daß befohlene Musik für die Mehrzahl von

ihnen ein zusätzliches Element alltäglicher Qual, Demütigung und Täuschung

war. Sie entmythologisiert die häufig in der Literatur betonte positive Kraft

von Musik auf die KZ-Häftlinge.

Die Autorin stellt musikalische Lebensläufe anhand biographischer Kategorien

dar. Auf der Basis der spezifischen Psychologie von KZ-Überlebenden zeigt sie

durch behutsame Interpretationen auf, wie alle Frauen durch die Zeit der

NS-Verfolgung und die KZ-Gefangenschaft massive Einschnitte in ihre

Musikbiografie erlitten. Um weiterleben zu können, mußte jede Frau

individuelle Bewältigungsstrategien finden.

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, daß die Musikerinnen auf grausame

Weise Opfer waren. Die Autorin kritisiert daher die Darstellung ihrer Lebens-

und Arbeitsbedingungen im Buch der Fania Fénelon, Das Mädchenorchester in

Auschwitz , in dem die Geschehnisse im Orchester verharmlost und

beschönigt beschrieben sind. Sie zieht den Schluß, daß es keine verbindliche

Wahrheit gibt, sondern daß es darum geht, die subjektiven Sichtweisen aller

Frauen als kontrastierende Wahrheitsebenen gegenüberzustellen und zu

respektieren, daß die Frauen des Orchesters durch die Verdrängung großer

Teile der traumatischen Vergangenheit überhaupt weiterleben konnten.

Besetzung: Musikbücher, Musikgeschichte
Erscheinungsjahr: 1996
Schwierigkeit: 0

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